Jugend-Trainings-Ziele von den Minis bis zur A-Jugend
Mit dem Jugendtrainingskonzept versuchen wir unseren Trainern eine Leitlinie und Orientierungshilfe für ihre Trainingseinheiten und Zielsetzungen in den einzelnen Jugendmannschaften zu geben.
Allgemeine Zielsetzungen:
- Spaß an der Bewegung und am Handballsport wecken
- Ein Gesundheitsbewusstsein zu entwickeln und dies fördern
- Durch qualifizierte Übungsleiter die Grundlagen unseres Sports modern und vielseitig vermitteln
- Die Kinder und Jugendlichen langfristig an den Sport binden
- Soziale Werte vermitteln und Teamfähigkeit fördern
Sportliche Zielsetzungen:
- Qualitätssicherung und langfristiger Trainingsaufbau
- Vielseitige motorische und technische Grundausbildung
- Fähigkeitsorientiertes Training nach individuellem biologischen Entwicklungsstand
- Individuelle Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten gezielt und bewusst fördern
- Den allgemeinen Spieltrieb im Kleinkindalter zu richtigem taktischen Verhalten bei den Jugendlichen zu formen
- Das Erlernen von vielseitigen Bewegungen bis hin zum Tempohandball
Maxime:
- Spielstarke Mannschaftsspieler (Allrounder) ausbilden
- Aus der offensiven Abwehr heraus attraktiven Tempohandball praktizieren
Aufbau des Konzeptes:
Für jede Altersstufe folgen Vorgaben, die eine Orientierung für die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen sein soll. Die Ziele der einzelnen Mannschaften bauen inhaltlich aufeinander auf.
Je zwei Schwerpunktziele pro Abschnitt sollten besondere Beachtung im Trainingsaufbau finden (kursiv-fett gedruckt). Es wurde versucht für jede Altersgruppe praktische Beispiele als Anregung zu geben.
Es erfolgt jeweils eine Unterteilung in folgende Teilbereiche:
- Spiele / Spielformen
- Motorik
- Technik
- Taktik
- Regeln
- Teamfähigkeit
Minis (4 - 6 Jahre)
- Spiele/-Spielformen
- der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund!!!
- breitensportorientierte Spielformen ohne und mit Ball (Bewegungsspiele)
- Laufspiele in allen Variationen
- spielerisches Heranführen an den Handballsport
2) Motorik
- breite motorische Grundausbildung
- kindgerechte Schulung koordinativer und konditioneller Voraussetzungen
3) Technik
- Ballgewöhnung: rollen, tippen, prellen, fangen, werfen
- Taktik
- Im Minihandball sollte ohne taktische Anweisungen gespielt werden
- Regeln
- Einführung in die Grundidee des Handballspiels (spielen miteinander innerhalb einer Mannschaft; wie viele Spieler gibt es pro Mannschaft?; was bedeutet Angriff / Abwehr?; was gibt es für wichtige Spielfeldmarkierungen?)
- Teamfähigkeit
- Kennen lernen von entsprechendem Sozialverhalten in der Gruppe
F-Jugend (6 - 8 Jahre)
- Spiele/-Spielformen
- der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund!!!
- breitensportorientierte Spielformen ohne und mit Ball (Bewegungsspiele)
- Laufspiele in allen Variationen
- spielerisches Heranführen an den Handballsport
- Motorik
- breite motorische Grundausbildung
- große Bewegungszeiten
- kindgerechte Schulung koordinativer und konditioneller Grundlagen
- vielseitige Bewegungsschule, spielen vor üben
- Technik
- Grundformen der Balltechnik (passen, fangen, prellen, Schlagwurf)
- Taktik
- Vermittlung eines freien Spiels ohne taktische Zwänge in Breite und Tiefe (siehe DHB Unterlagen)
- Einführung in die Grundformen der Pressdeckung (Parteiball)
- Vorformen der Raumdeckung („Schweinchen in der Mitte“, mit Variationen)
- Regeln
- Spielen 4:1 auf Querfeld mit kleineren Toren (1,60m)
- Offene Deckungsweise (Pressdeckung) siehe unter : www.handballwestfalen.de /Lehrwesen/DHB Rahmenkonzeption Folder oder Regelauslegung
- Grundregeln im Verhalten zum Gegner (den Gegner nicht foulen, egal ob er den Ball hat, oder nicht! nicht den Ball aus der Hand schlagen oder reißen!)
- Teamfähigkeit
- Teamfähigkeit im Spiel fördern!
- Vermittlung des Ideals: alle Spieler sind für die Mannschaft gleich wichtig, alle Spieler werden akzeptiert!
E-Jugend (8 - 10 Jahre)
- Spiele/-Spielformen
- Spielformen in verschiedenen Variationen mit und ohne handballspezifische Elemente
- Zielorientierung der Spiele an den Grundprinzipien des Handballsports (alle Varianten des Parteiballspiels)
- Laufspiele
- Motorik
- Förderung und Schulung koordinativer sowie motorischer Fähigkeiten
- Vielseitige und motivierende Bewegungsschule
- Technik
- Individuelle Grundlagenschulung: Balltechnik (Schlagwurf, Einführung Sprungwurf, Passen, Fangen, Prellen à unter Druck und mit Störfaktoren)
- Freilaufen, orientieren im Raum und Ballannahme in der Bewegung
- Einführung in Lauf– und Körpertäuschungen mit und ohne Ball (zur Wurfhand), Durchbrüche zum Tor (in die Tiefe gehen)
- Taktik
- Stellung und Zuordnung zum Angreifer in der Abwehr / Pressdeckung (siehe DHB Heft „Grundschule“, 1:1 Verhalten)
- Entscheidungstraining im Passspiel und im „Aufbauspiel“ („Give and go“)
- Ziel in der Abwehr: Ballgewinn
- Siehe unter: www.handballwestfalen.de /Lehrwesen/DHB Rahmenkonzeption Folder oder Regelauslegung
- Regeln
- Übergang zum 6:6
- Schrittfehler, zwei Mal , ein- und auswechseln, Tor ab, Kreis ab, Freiwurf, 7 Meter, 2-Linien-Abwehr, keine persönlichen Strafen, Team-Time-Out
- Teamfähigkeit
- Teamfähigkeit fördern (miteinander spielen, alle sind wichtig!)
- Einstellung zum Sport entwickeln
D-Jugend (11 - 12 Jahre)
-
Spiele/-Spielformen
- handballorientierte Spielformen mit und ohne Ball, z. B. 2x3 gegen 3
- allgemeine Bewegungsspiele mit Elementen des Handballspiels (Motivationsförderung!)
- Motorik
- Schwerpunkt ist die Koordinationsschulung
- Bestes Alter für beginnendes dosiertes Grundlagenausdauertraining
- rhythmisieren und automatisieren von bereits erlernten Bewegungsmustern
- weiterhin breite motorische Grundausbildung
- Technik
- Grundtechniken in Feinform erlernen
- Ausbildung aller Spieler auf jeder Position
- Kooperatives Zusammenspiel z. B. Doppelpass, Sperren
à Angriff:
- 0 – Kontakt, Täuschbewegungen zur Hand mit Sprungwurf
- Pässe variieren (bezüglich Länge, Bodenpass, in der Bewegung,...)
à Abwehr:
- Gewöhnung an Körperkontakt (sämtliche Formen der Kontaktspiele: z.B. Rugby,...)
- Aufnehmen und Begleiten des Gegenspielers
- Dem Mitspieler helfen
- Kennen lernen der Bein- und Armtechnik eines antizipativ – offensiven Deckungsverhaltens
- Ziel: Ballgewinn
- Taktik
- Anwendung des Gegenstoßes
- Anwendung des antizipativen Abwehrverhalten mit dem Ziel Ballgewinn (à Hineinlaufen in bekannte Passwege)
- Regeln
- Schrittregel aufgreifen auf Grund von Täuschbewegungen
- Abstand bei Freiwürfen, 7m, Auswechseln nur bei Ballbesitz
- Siehe unter: www.handballwestfalen.de /Lehrwesen/DHB Rahmenkonzeption Folder oder Regelauslegung
- Teamfähigkeit
- einfache Spielformen zur Teamfindung und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls, üben und erleben!
- gemeinsam sind wir stark! Keine Spezialisten auch nicht im Tor.
C-Jugend (13 - 14 Jahre)
- Spiele/-Spielformen
- Hinführung zur Spielfähigkeit im Handballsport
- Vielseitigkeit der Spiele, z.B. Variationen von bekannten Spielen
- Spielformen zur Verbesserung der Spielfähigkeit (z.B. Spielformen mit mehreren Zielen wählen)
- Motorik
- vielseitige koordinative und motorische Grundausbildung
- gezielte Vorübungen für typische Handballbewegungen
- Wahrnehmungsschulung von ballnahen und ballfernen Situationen
- Technik
à Angriff:
- Durchbruch gegen die Wurfhand
- Ballannahme in der vorwärts Bewegung; rückwärts, seitwärts, vorwärts Bewegung nach der Ballabgabe (sofort wieder lösen aus der Abwehr, anspielbar bleiben)
- Angriffsregelgrundbewegungen auf den Positionen
- Beim Parallelstoß um ½ Position versetzt anlaufen
à Abwehr:
- 1:1 Verhalten im offensivem Abwehrverhalten stärken
- Stellung zum Angreifer (zur Wurfarmseite), Hilfs- und Sicherungsaufgaben kennen lernen
- blocken(Blockecke, Torwartecke), Zusammenspiel von TW+Deckung
- Trainieren der Grundbewegung des antizipativ-offensiven Abwehrverhaltens
- Wandel von mannorientierten zur raumorientierten Spielweise
- Taktik
- Positionswechsel in Tiefe und Breite
- Grundfertigkeiten der Gruppentaktik (Parallelstoß, Kreuzen, Sperre), Verbesserung des Zusammenspiels
- Bestimmen der Laufwege in der 1.+ 2. Welle und in der Rückzugsphase
- Grundprinzipien des Deckungsverbandes: Übergeben / Übernehmen, Verschieben Richtung Ballseite, bilden eines taktischen Dreiecks
- verbindliche 2 Linien Abwehr (1:5, 2:4, 3:3, 3:2:1 und offensive 5:1)
- Regeln
- Foulspiel, Stürmerfoul, Strafen, Umsetzung der DHB Vorgaben
- Teamfähigkeit
- Aufgaben und Rollenverteilung, Positionsspezialisierung auch im Torwartbereich
- Selbstständiges Lösen von Problemen in Kleingruppen
B-Jugend (15 - 16 Jahre)
-
Spiele/-Spielformen
- Spielformen zur zielgerichteten Verbesserung der Umschaltfähigkeit (Transitiongames: z.B. Verfolgungsrennen)
- Motorik
- Handballspezifische Bewegungen unter Einfluss von Störfaktoren (passen mit Körperkontakt, lösen vom Deckungsspieler, Durchsetzungsvermögen im 1:1 steigern)
- Festigung von koordinativen Fertigkeiten
- Training der motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination)
- Technik
à Angriff:
- Wurfvarianten (werfen über das falschen Bein, Sprung – und Schlagwürfe gegen die Hand, Fallwurf, Sprungfallwurf, Absprung mit dem Nichtsprungbein, Dreher, Leger), Präzision + Timing
- Erlernen der Pass-Lauftäuschung + Sperren/Absetzen mit dem Kreis
à Abwehr:
- In kooperativer Zusammenarbeit verteidigen Übergeben/Übernehmen, doppeln, helfen, gestaffelter Block
- Automatisierung von antizipativ – offensivem Deckungsverhalten
- Erlernen der defensiven Deckungsprinzipien (Heraustreten, Blocken)
- Taktik
à Angriff:
- Einfache Gruppen- /Mannschaftstaktische Angriffskonzeptionen
- Entwicklung der Spielphasen, z. B. Konzepte für die 1. + 2. Welle und für den Übergang in die 3. Welle (Spielaufbau)
- Übergänge der Außen/RM an den Kreis (vom 3:3 in ein 2:4 )
- Richtige Wahl der gruppentaktischen Angriffskonzeption je nach Abwehrsystem des Gegners, kreuzende Bewegungen gegen 6:0, Übergänge gegen 5:1, 4:2, 3:2:1 mit Sperren/Absetzen spielen
- Entscheidungstraining
- Verbesserung der Umschaltfähigkeit: 1.+ 2. Welle
à Abwehr:
- Übergang zu klassischen Deckungssystemen: 3:2:1; 5:1; 6:0; 4:2
- „Lesen“ der Angriffsaktionen, Ziel: Überzahl am Ballort
- Gegnerspezifische Abwehrhandlungen (umschalten und variieren zwischen offensivem und defensivem Deckungsverhalten)
- Regeln
- Fortsetzung des Regelwerks (Passives Spiel, laufen durch Mittelkreis beim Anwurf,...)
- Teamfähigkeit
- Gruppendynamische Prozesse , z.B. kein Ausgrenzen von anders denkenden Jugendlichen zu lassen (Toleranz, Verständnis)
- Mannschaftsfahrt mit Übungen wie Inselspiel, freier Fall
A-Jugend (17 - 18 Jahre)
-
Spiele/-Spielformen
- Handballspezifische Spielformen im Kontinuum
- Komplexe Transitiongames mit 2 Angriffen pro Mannschaft (erst 1. und 2. Welle, dann Spielaufbau)
- Motorik
- Festigung von koordinativen Fertigkeiten
- Training der motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination)
- Pass- und Laufübungen unter höherer körperlicher Belastung oder unter Einfluss von Störfaktoren
- Technik
- Ausüben von Komplexübungen, z.B. Anwendung mehrerer Täuschungen innerhalb einer 1:1 Aktion
- Automatisierung und Festigung der individuell – technischen Fertigkeiten; Technikanpassung unter konditionellen und taktischen Zusatzbelastungen
- Taktik
à Angriff:
- Einhalten der Phasen eines Spiele: Abwehr/ Umschalt/ Anwurf/ Aufbauphase/Abschluss/Rückzug
- Anwenden von Angriffskonzeptionen: gezieltes Weiterspielen nach verschiedenen taktischen Auslösehandlungen
- Erlernen von Laufwegen für Angriffskonzeptionen unter Beachtung der kleineren Räume gegen 5:1 o. 6:0 Deckung
- Verhalten bei besonderen Spielsituationen (Freiwurfsituationen, Über/Unterzahlspiel, offene Manndeckung)
- Verknüpfung der individuellen technischen Fertigkeiten mit richtigem Gruppen - / Mannschaftstaktischem Verhalten
à Abwehr:
- Schnelle Umschaltfähigkeit bei Veränderung der Abwehrsysteme
- Abfangen von Bällen und Abschirmen von hohen und tiefen Kreisläufer anspielen
- Feinabstimmung der einzelnen Deckungsteile, insbes. mit dem TW
- Regeln
- Festigung und Befolgung des Regelwerks des DHB
- Taktisch positive Auslegung (Cleverness)
- Teamfähigkeit
- An den Seniorenbereich heranführen; ab dem 2. Jahr A-Jugend bei den Senioren mittrainieren, gegebenenfalls Doppelspielrecht
- Mannschaftsfahrt mit Team fördernden, nicht handballspezifischen Sportarten, z.B. Kanutour, Kletterparcour gemeinsam durchstehen
Der weibliche Bereich
Zur Trainierbarkeit der Frau (physische Voraussetzungen):
In der Kindheit gibt es auf physischer Ebene keine Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Erst mit dem Einsetzen der Pubertät (Mädchen:11/12; Jungen: 12 /13) treten erste Leistungsunterschiede auf. Auf Grund der steigenden Produktion von Testosteron steigt die Muskelkraft bei Jungen ab dem 12. bzw 13. Lebensjahr an und erreicht im 3. Lebensjahrzehnt ihr Maximum. Frauen haben hingegen einen 10% höheren Fettanteil, weniger Muskelmasse, einen schlechteren Stoffwechsel sowie eine kleinere Lunge und verfügen über eine 20 – 30% verminderte Ausdauerleistungsfähigkeit, verglichen mit dem Mann. Die Beweglichkeit der Frauen ist jedoch durch elastischere Muskulatur verbessert, ebenso wie ihre kleinmotorischen Fertigkeiten.
Die Frau im Handballsport:
In den letzten Jahren hat eine Dynamisierung des Frauenhandballs stattgefunden, die auch Körperlichkeit ausdrücklich erlaubt.
Da Mädchen in ihrer Kindheit häufig mehr verschiedene Sportarten ausprobieren als Jungen, sind Mädchen im Handball verglichen mit Jungen meist ca. 3 Jahre zurück. Folglich besteht ein Techniknachholbedarf, der im Training dringend zu berücksichtigen ist. D.h. der/die Trainer/in sollte darauf achten, dass möglichste viel mit dem Ball trainiert wird. Da Frauen wesentlich beweglicher sind als Männer, sollte der / die Trainer/in diese Eigenschaft nutzen und verstärkt fördern.
Schlusswort
Bei Abschluss des Trainings in der Jugend sollte die Ausbildung der/s Spielerin/s noch nicht für beendet erklärt werden. Mit Übergang in den Seniorenbereich sollte ein so genanntes „Anschlusstraining“ erfolgen, in dem gewisse Techniken sowie taktische Spielweisen vertieft und gefestigt werden. Die Integration der jungen Spieler in die Seniorenmannschaft ist wichtig!
Das Durchlaufen der einzelnen Ausbildungsstufen in den Jugendmannschaften, gepaart mit Talent und Leistungswille, soll technisch gute Mannschaftsspieler hervorbringen.
